WDR über Haus Müller

ALTENHEIM FÜR MENSCH UND TIER AM MÖHNESEE

Mehr Lebensfreude

Autorin: Elfie Schader

Das Seniorenheim Haus Müller am Möhnesee ist deutschlandweit dafür bekannt, dass die Bewohner beim Einzug in das Heim ihr Haustier mitbringen dürfen. Die Nachfrage nach diesen Plätzen ist so enorm, dass neben dem Altbau Ende des Monats mit dem Bau eines neuen, größeren Hauses begonnen wird. Das ist schon jetzt fast ausgebucht. 

Seit einem halben Jahr wohnt Ursula Böcher im Haus Müller am Möhnesee. Die rüstige 80-Jährige entschied sich ganz bewusst für dieses Seniorenheim. Für sie war klar: ohne ihren dreijährigen Yorkshire-Terrier-Mischling würde sie nicht umziehen: "Das ist mein Hund, der heißt Joe. Das Maskottchen von Haus Müller. Der fühlt sich auch wohl hier, mögen alle leiden, beschäftigen sie sich alle mit. Zum Essen darf ich sie nicht mehr mit rein nehmen, da kriegt sie an jedem Tisch was."

Der pfiffig dreinblickende Rüde braucht dreimal täglich frische Luft. Seinem Frauchen verschafft er dadurch nicht nur Bewegung, sondern auch neue Bekanntschaften. Die Bewohner kommen durch die Tiere miteinander ins Gespräch. Und zwar nicht nur durch die eigenen. Haus Müller besitzt einen Kleinzoo mit rund 230 Tieren. Darunter sind Zwerghühner, Papageien und Kapuzineraffen. Neuerdings auch drei Nasenbären. Der 75-jährige Ernst Stratmann geht mit den kleinen Bären mit der Rüsselnase gern auf Tuchfühlung: "Da sind se. Schön sind die. Die sind so artig. Aber wenn Fremde kommen, dann sind se weg. Ich hab schon geguckt, was für welche es sind. Mädchens, drei Stück."

Wer möchte, kann beim Füttern der Tiere helfen. Ein Angebot, das schon manchem Bewohner über depressive Phasen hinweggeholfen hat. Heimbetreiber und Eigentümer Franz-Georg Müller hat das Tierkonzept innerhalb von zwei Jahrzehnten aufgebaut. Mit Freude beobachtet er, welche Früchte diese Arbeit trägt: "Man sieht, wie die hierher kommen, Altenheim, abgeschoben sein. Ich bin ja nichts mehr wert und nach ein paar Monaten ist genau das Gegenteil: die Leute sind wieder draußen, am Hof am fegen, füttern die Tiere, streicheln die Tiere und auf einmal: ach, das ist ein zu Hause für uns. Den Leuten geht es besser, sie sind motivierter, aktiver, haben Gesprächstoff, sitzen nicht in der Ecke."

Es gibt nicht den gefürchteten Heimcharakter, beschreibt der 39-Jährige seinen Erfolg, der ihm Anfragen aus ganz Deutschland beschert. Ursula Böcher und ihr Hund Joe mussten drei Jahre auf einen freien Platz warten. Für sie ist jeder Tag in Haus Müller ein schöner Tag: "Wir fühlen uns beide wohl hier und warten mit Sehnsucht aufs Frühjahr, dass die Sonne wieder scheint, Mensch!"

Radiobericht "Zwischen Rhein und Weser" - WDR2
   
Radiobericht "Lebensart" - WDR5  

    

 



 
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